Live-Webcams – das Brutgeschehen live verfolgen

Ein Bericht von Prof. Dr. Martin Kraft

Einblick im Waldkauz-Nistkasten

Will man einen genauen Einblick in das Leben der Vögel während der Brutzeit bekommen, so sind Webcams (Live-Kameras) sehr hilfreich, weil man zuhause am PC alles in Ruhe anschauen kann und damit immer auf dem neuesten Stand ist. So kann man das Balzverhalten, die Eiablage, die Eier (wenn Vögel mal kurz das Nest verlassen), das Brutgeschehen, Brutablösungen, die Jungenaufzucht und das Ausfliegen live dokumentieren. Eventuelle Nesträuber können zudem aufgezeichnet werden! 

Die Webcam-Kandidaten bei VIVARA sind 14 Arten: Löffler, Weißstorch, Seeadler, Habicht, Wanderfalke, Schleiereule, Steinkauz, Waldkauz, Eisvogel, Grünspecht, Dohle, Star, Kohlmeise und Haussperling! Damit Sie die Beobachtungen besser einordnen können, gebe ich eine kurze Einführung in die Brutbiologie der betroffenen Vogelarten:

Löffler (Platalea leucorodia)

Brutbiotope: Gewässer mit viel Schilf, Auen, Sümpfe, im Süden auch kahle Inseln, seltener Büsche oder auch Klippen. Nest vorwiegend aus Schilf am Boden, aber es werden auch Nester in Büsche gebaut, manchmal auch alte Nester von Kormoranen genutzt. Brütet vorwiegend in Kolonien.
Gelege: 3 – 5 weiße Eier mit schwach rötlich-braunen Flecken werden von April bis Juni vom Weibchen gelegt.
Brutzeit und Brutverhalten:
Eine Jahresbrut, die etwa 24 Tage dauert. Beide Partner brüten abwechselnd.
Nestlingszeit:
Die Jungen sind typische Nesthocker, die von beiden Eltern mit Fischen, Fröschen, Molchen, Krebsen, Schnecken, Würmern und allen möglichen Wasserinsekten etwa 40 – 42 Tage gefüttert werden. Noch nicht ganz flügge bleiben sie etwa 3 Wochen in der Nestumgebung. Nach gut 60 Tagen sind sie flugfähig.

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Weißstorch (Ciconia ciconia)

Brutbiotope: Brütet hauptsächlich auf selbstgebauten Nestern oder Kunsthorsten in menschlichen Siedlungen, aber auch auf Bäumen in ausgedehnten Auen. Bruten auf Strommasten oder Hochsitzen sind auch nicht selten. In Manchen Dörfern mehrere Nester auf einen Haus. Durch das Anbringen von Nistunterlagen oder Kunsthorsten hat der Weißstorch in den letzten Jahren wieder im Bestand deutlich zugenommen.
Gelege und Legezeit: Zumeist 3 – 5 (seltener auch mal bis zu 7) weiße Eier, die vom Weibchen im April/Mai gelegt werden.
Brutzeit und Brutverhalten: Eine Jahresbrut, die 33 - 34 Tage dauert. Beide Partner brüten abwechselnd.
Nestlingszeit: Die Jungen sind typische Nesthocker, die von beiden Eltern mit Fröschen, Fischen, Molchen, Krebsen, Mäusen und allen möglichen Wirbellosen etwa 55 - 60 Tage gefüttert werden. Die Jungen halten sich noch 2 bis 3 Wochen, manchmal auch noch länger im Brutrevier auf. Sie ziehen zumeist vor den Altvögeln nach Süden. Einige Alt- und wenige Jungvögel überwintern neuerdings auch in Mitteleuropa.

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Seeadler (Haliaeetus albicilla)

Brutbiotope: Ausgedehnte Auen mit hohen Bäumen, Wälder in Gewässernähe.
Gelege und Legezeit: Zumeist 1 – 3 (seltener 4) weißliche Eier, die vom Weibchen von Mitte Februar bis Ende März in zumeist mächtige Horste gelegt werden. Nistplattformen in hohen Bäumen haben auch dem Seeadler zu Neuansiedlungen gedient.
Brutzeit und Brutverhalten: Eine Jahresbrut, die 38 - 42 Tage dauert. Beide Partner brüten abwechselnd.
Nestlingszeit: Die Jungen sind typische Nesthocker, die von beiden Eltern mit Fischen und Vögeln bis zu Gänsegröße sowie Säugetieren etwa 80 - 90 Tage gefüttert werden. Das Beutespektrum ist sehr groß, weil Seeadler (vor allem die Weibchen) sehr kräftige Vögel sind. Glücklicherweise haben die Brutbestände des Seeadlers in den letzten Jahren wieder deutlich zugenommen.

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Habicht (Accipiter gentilis)

Brutbiotope: Wälder und baumreiche Parkanlagen. Brütet selbst in Großstädten wie beispielsweise in Berlin. Das ziemlich große Nest steht oft in Nadelbäumen in Stammnähe.
Gelege und Legezeit: Zumeist 2 - 5 weißliche Eier bis hellbraune Eier, die vom Weibchen von Mitte/Ende März bis Mai gelegt werden.
Brutzeit und Brutverhalten: Eine Jahresbrut, die 35 - 42 Tage dauert. Zumeist brütet nur das Weibchen. Während der Brutzeit versorgt das deutlich kleinere Männchen das Weibchen mit Nahrung, die vorwiegend aus Vögeln besteht.
Nestlingszeit: Die Jungen sind typische Nesthocker. In den ersten Tagen bringt fast nur das Männchen Nahrung an (hauptsächlich Vögel bis zu Taubengröße, seltener Säugetiere), die vom Weibchen zerkleinert und den Jungen verabreicht werden. Später füttert auch das Weibchen mit. Die Nestlingszeit beträgt etwa 35 bis 40 Tage. Nach dem Ausfliegen bleiben die Jungen noch mehrere Tage in der Nestumgebung und werden von den Eltern mit Futter versorgt. Nordische Habichte (überwiegend Jungvögel), aber auch mitteleuropäische Junghabichte ziehen teilweise bis in den Mittelmeerraum, um dort zu überwintern.

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Wanderfalke (Falco peregrinus)

Brutbiotope: Offene Landschaften mit Felsen, aber in den letzten Jahren zunehmend in Ortschaften, oft in Großstädten, zu finden. Brütet in Felsnischen und Felshöhlen, seltener in alten Greifvogelhorsten auf Bäumen sowie in Nischen auf Kirchtürmen und anderen hohen Gebäuden. Nistkästen an und in Nischen von Gebäuden, unter Autobahnbrücken, an Strommasten und Sendetürmen werden gern angenommen.
Gelege und Legezeit: Zumeist 2 - 4 gelblich-weiße, dicht braun gesprenkelte Eier, die vom Weibchen von Mitte/Ende März bis Anfang Mai gelegt werden.
Brutzeit und Brutverhalten: Eine Jahresbrut, die 33 - 39 Tage dauert. Zumeist brütet nur das Weibchen. Während der Brutzeit versorgt das kleinere Männchen das Weibchen mit Nahrung, die vorwiegend aus Vögeln besteht.
Nestlingszeit: Die Jungen sind typische Nesthocker. In den ersten Tagen bringt fast nur das Männchen Nahrung an (hauptsächlich Vögel bis zu Taubengröße), die vom Weibchen zerkleinert und den Jungen verabreicht werden. Später füttert auch das Weibchen mit. Die Nestlingszeit beträgt etwa 36 bis 40 Tage. Nach dem Ausfliegen bleiben die Jungen noch mehrere Tage in der Nestumgebung und werden von den Eltern mit Futter versorgt. Die meisten Jungvögel ziehen im Herbst nach Süden.

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Schleiereule (Tyto alba)

Brutbiotope: Brütet vorwiegend in Ortschaften auf Dachböden, in Kirchen, alten Häusern, Schlössern, Burgruinen, Scheunen, aber auch in Feldscheunen. Nistkästen werden oft besiedelt.
Gelege und Legezeit: In der Regel 4 – 8, in schlechten Mäusejahren nur 1 – 3, in guten hingegen bis zu 12 weiße Eier, die vom Weibchen von Ende März bis Mitte Juni, manchmal sogar noch später auf vorwiegend nackten Boden mit Gewölleresten gelegt werden.
Brutzeit und Brutverhalten: Je nach Mäuseangebot eine bis zwei Jahresbruten (ausnahmsweise sogar 3 Bruten), die 30 - 34 Tage dauern. Das Weibchen brütet allein und wird vom Männchen mit Nahrung versorgt, die vorwiegend aus Vögeln besteht.
Nestlingszeit: Die Jungen schlüpfen in zeitlichen Abfolgen und sind daher unterschiedlich groß. Sie sind typische Nesthocker, die in den ersten Tagen vom Weibchen mit Nahrung versorgt werden, die das Männchen herbeigeschafft hat. Dabei spielen vor allem Feldmäuse eine wichtige Rolle, aber es werden auch andere Mäuse und sogar Spitzmäuse, seltener Vögel verfüttert. Die Nestlingszeit beträgt etwa 35 bis 40 Tage. Ab etwa 40 Tagen flattern und klettern die Jungen in der Nestumgebung umher und werden dort von beiden Eltern mit Nahrung versorgt. Nach weiteren knapp 2 Wochen sind die flügge und wandern in andere Bereiche ab.

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Steinkauz (Athene noctua)

Brutbiotope: Brütet in der offenen Kulturlandschaft in Kopfbäumen und alten Obstbäumen, aber auch in Ortschaften in alten Häusern, Scheunen, auf Dachböden und sogar in Kaminen. Durch das Aufhängen von Spezialbrutröhren konnten viele Steinkäuze neue Lebensräume besiedeln, sodass sich die Bestände in den letzten Jahren gut erholten.
Gelege und Legezeit: In der Regel 3 – 5 (manchmal auch 7 oder 8) weiße Eier, die vom Weibchen von Anfang/Mitte April bis Mai gelegt werden.
Brutzeit und Brutverhalten: Eine Jahresbrut, die 25 bis 30 Tage dauert. Das Weibchen brütet allein und wird vom Männchen mit Nahrung versorgt.
Nestlingszeit: Die Jungen sind typische Nesthocker, die nach etwa 35 Tagen ihre Bruthöhle oder den Nistkasten verlassen und sich in der Umgebung aufhalten. Dort werden sie noch etwa weitere 10 Tage mit Nahrung versorgt. Die Nahrung besteht aus Mäusen, kleinen Vögeln, aber auch aus Würmern und Insekten. Steinkäuze sind sehr standorttreu und besiedeln oft dieselben Reviere. Auch Jungvögel wandern nicht sehr weit.

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Waldkauz (Strix aluco)

Brutbiotope: Höhlenbrüter in Wäldern, Parks, auf Friedhöfen, in Feldgehölzen sowie auch in Ortschaften in Ruinen, Kaminen, auf Dachböden und in alten Häusern. Nistkästen werden oft angenommen.
Gelege und Legezeit: In der Regel 3 – 6 (selten bis 9) weiße Eier, die vom Weibchen von Anfang Februar bis Ende März gelegt werden.
Brutzeit und Brutverhalten: Eine Jahresbrut von etwa 30 Tagen. Das Weibchen brütet allein und wird vom Männchen mit Nahrung versorgt.
Nestlingszeit: Die Jungen sind typische Nesthocker, die nach etwa 30 - 35 Tagen ihre Bruthöhle oder den Nistkasten verlassen und sich in der Umgebung aufhalten. Sie sind erst mit etwa 7 Wochen flugfähig, lassen sich aber auch danach noch einige Zeit von ihren Eltern füttern. Die Nahrung besteht vorwiegend aus Mäusen und anderen Kleinsäugern, aber auch aus Vögeln und Amphibien sowie Wirbellosen.

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Eisvogel (Alcedo atthis)

Brutbiotope: Höhlenbrüter in Steilwänden an Bächen, Flüssen, Seen und Teichen. Nimmt aber auch künstliche Steilwände an. Bis knapp einen Meter lange Brutröhren steigen am Ende leicht an.
Gelege und Legezeit: In der Regel 4 - 7 (selten bis 9) weiße Eier, die vom Weibchen zumeist im März gelegt werden. Bei 2 oder 3 Jahresbruten auch noch Eiablagen im Sommer.
Brutzeit und Brutverhalten: 2 – 3 Jahresbruten von etwa 18 - 21 Tagen. Weibchen und Männchen brüten abwechselnd.
Nestlingszeit: Die Jungen bleiben etwa 23 – 27 Tage in ihrer Bruthöhle und werden dort von beiden Eltern mit Nahrung versorgt. Diese besteht vorwiegend aus Fischen, aber auch aus kleinen Fröschen, Molchen, Kaulquappen, Krebsen und Wasser¬insekten.

Grünspecht (Picus viridis)

Brutbiotope: Höhlenbrüter in alten Bäumen in lichten Wäldern, Feldgehölzen, Streuobstwiesen, Parks, auf Friedhöfen und in Gärten.
Gelege und Legezeit: In der Regel 5 - 8 weiße Eier, die vom Weibchen von etwa Ende März bis Mitte/Ende April gelegt werden.
Brutzeit und Brutverhalten: Eine Jahresbrut von etwa 14 - 16 Tagen. Weibchen und Männchen brüten abwechselnd.
Nestlingszeit: Die Jungen bleiben etwa 23 – 27 Tage in ihrer Bruthöhle und werden dort von beiden Eltern mit Nahrung versorgt. Hauptnahrung sind Ameisen, deren Larven und Puppen, manchmal aber auch andere Insekten, Würmer und Schnecken sowie Beeren und Obst. Grünspechtfamilien halten manchmal 6 bis 7 Wochen zusammen.

Dohle (Coloeus monedula)

Brutbiotope: Höhlen- und Nischenbrüter in alten Bäumen, Felsen, Kaninchenbauen, Kirchtürmen, Schlössern, Ruinen, Mauern und alten Häusern. Nistkästen werden ebenfalls oft angenommen. Koloniebrüter.
Gelege und Legezeit: Zumeist 3 – 6 hellbläuliche mit dunklen Flecken gesprenkelte Eier, die vom Weibchen vorwiegend im April gelegt werden.
Brutzeit und Brutverhalten: Eine Jahresbrut von etwa 17 - 18 Tagen. Das Weibchen wird während des Brütens vom Männchen mit Nahrung versorgt. Paare halten lebenslang zusammen!
Nestlingszeit: Die Jungen bleiben 30 – 35 Tage in ihrer Bruthöhle und werden dort von beiden Eltern mit Nahrung versorgt. Dohlen sind Allesfresser und verfüttern Kleinsäuger, Jungvögel, Eier, Insekten und alle möglichen anderen Wirbellosen, aber auch Körner, Früchte und Aas.

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Star (Sturnus vulgaris)

Brutbiotope: Brütet in Baum- und Felshöhlen, aber auch in Mauern und an Gebäuden. Nistkästen werden häufig angenommen. Nicht selten auch in kleinen Kolonien brütend.
Gelege und Legezeit: 4 -6 hell grünlich/blaue Eier, die vom Weibchen vorwiegend im April gelegt werden.
Brutzeit und Brutverhalten: Eine Jahresbrut, manchmal auch 2 Jahresbruten von etwa 13 - 15 Tagen. Beide Partner brüten.
Nestlingszeit: Die Jungen bleiben etwa 18 – 22 Tage in ihrer Bruthöhle und werden dort von beiden Eltern mit Nahrung versorgt. Die Nahrung besteht hauptsächlich aus Würmern, Spinnen und Insekten.

Kohlmeise (Parus majorohle Coloeus monedula)

Brutbiotope: Höhlenbrüter, der in Naturhöhlen, oft aber in Nistkästen brütet. Bebt überall dort, wo es Bäume und Büsche gibt, oft in menschlicher Nähe.
Gelege und Legezeit: 5 -12 weißliche, rötlich gesprenkelte Eier, die vom Weibchen in warmen Jahren ab etwa Mitte März bis Ende April gelegt werden.
Brutzeit und Brutverhalten: Eine Jahresbrut, bei gutem Nahrungsangebot auch 2 Jahresbruten von etwa 10 - 14 Tagen. Zumeist brütet das Weibchen allein und wird dabei vom Männchen mit Nahrung versorgt.
Nestlingszeit: Die Jungen bleiben etwa 15 – 22 Tage in ihrer Bruthöhle oder im Nistkasten und werden dort von beiden Eltern mit Nahrung versorgt. Die Nahrung besteht hauptsächlich aus Insekten und deren Larven.

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Haussperling (Passer domesticus)

Brutbiotope: Brütet fast ausschließlich in menschlichen Siedlungen überall dort, wo er Spalten oder Löcher findet, aber oft auch in Nistkästen. Freie Kugelnester in Bäumen gibt es nur ausnahmsweise.
Gelege und Legezeit: Zumeist 4 – 6 unterschiedlich weißgrau gefärbte Eier, die vom Weibchen in warmen Jahren ab etwa Mitte/Ende März und bei Mehrfachbruten auch noch im Sommer gelegt werden.
Brutzeit und Brutverhalten: 2 - 3 Jahresbruten von etwa 11 - 13 Tagen. Beide Partner brüten.
Nestlingszeit: Die Jungen bleiben etwa 13 – 16 Tage im Nest oder im Nistkasten und werden dort von beiden Eltern mit Nahrung versorgt. Die Nahrung besteht hauptsächlich aus Insekten und deren Larven, aber es werden auch andere wirbellose verfüttern, seltener Körner und Früchte.

Prof. Dr. Martin Kraft 


 

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